Brauchen Bücher heute überhaupt noch einen guten Plot?

Veröffentlicht am 6. September 2026 um 20:11

Bücher werden heute oft zuerst über Tropes beschrieben: Enemies to Lovers, Found Family, Second Chance, Forced Proximity … und manchmal weiß man danach erstaunlich wenig darüber, worum es in der Geschichte eigentlich geht.

Wozu dienen Tropes?

Sie sorgen für eine schnelle Orientierung, funktionieren auf Social Media extrem gut und machen Bücher leichter vermarktbar. Ein einzelner Begriff vermittelt sofort ein bestimmtes Gefühl oder weckt eine bestimmte Erwartung.

Dabei sind Tropes nicht automatisch schlecht. Sie können helfen, genau die Leser zu erreichen, die eine bestimmte Dynamik suchen.

ABER: Wenn ein Buch nur noch wie eine Checkliste vermarktet wird – Enemies to Lovers + morally grey + touch her and die + one bed – dann kann es schnell passieren, dass auch der Plot erzwungen wirkt. Wie eine Einkaufsliste, die einfach Punkt für Punkt abgehakt wird.

Ich habe manchmal das Gefühl, viele Autoren versuchen, möglichst viele Tropes in ihren Büchern unterzubringen, um sie später entsprechend vermarkten zu können. Das Problem: Manche dieser Tropes ergeben innerhalb der Geschichte gar keinen wirklichen Sinn. Man verliert sich schnell im Dschungel des Schlagwort-Marketings und die eigentliche Geschichte fällt hinten runter.

Tropes können außerdem falsche Erwartungen erzeugen. Wenn Leser wegen eines bestimmten Tropes zugreifen, erwarten sie oft eine ganz bestimmte Ausprägung davon. Dann kann ein eigentlich gutes Buch enttäuschen, obwohl am Ende nur die Vermarktung etwas anderes versprochen hat.

Wenn ich schreibe oder ein neues Projekt plane, entstehen bei mir zuerst Figuren, Konflikte, Atmosphäre und Handlung. Die Tropes erkennt man teilweise erst hinterher oder sie ergeben sich organisch daraus. Deswegen bewerbe ich meine Bücher auch nicht wirklich mit ausschweifenden Trope-Listen. Natürlich findet man bei mir auch mal ein Schlagwort wie „Female Rage“ oder Ähnliches.

Aber ich weigere mich, Tropes wie „Enemies/Friends to Lovers“ oder „Fated Mates“ zu verwenden, weil ich solche Informationen teilweise schon als Spoiler empfinde.

Das krasseste Beispiel: „Enemies to Lovers to Enemies“.

Ja, danke. Damit kenne ich im Grunde schon den kompletten Verlauf dieser Beziehung und vermutlich wird mich zumindest in diesem Teil der Handlung nicht mehr besonders viel überraschen.

Ich bin nicht dafür, Tropes gänzlich abzuschaffen. Aber ich finde, wir sollten wieder etwas sparsamer damit umgehen – und vor allem nicht Tropes darüber entscheiden lassen, was und wie wir ein Buch schreiben.

Geschichten sollten aus unseren Herzen kommen. Frei und ohne ein vorgegebenes Trope-Korsett, in das sie gezwängt werden müssen, nur damit sie sich auf Social Media leichter vermarkten lassen.

Was sagt ihr: Kaufen wir inzwischen Geschichten, weil sie uns neugierig machen – oder weil sie bekannte Bausteine enthalten, von denen wir schon wissen, dass wir sie mögen?

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